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Homosexualität & Islam | Koran & Scharia

Homosexualität & Islam | Koran & Scharia

NEOeso, Religionen

Werden Muslime auf das Thema Homosexualität angesprochen, bringen sehr viele von ihnen ohne langes Zögern den Koran bzw. das Verbot derselben im Koran als Begründung für die kategorische Ablehnung im Islam an. Der Koran verurteile Homosexualität als Sünde und sie sei aus diesem Grund nicht hinnehmbar. 

In der Tat stimmen die meisten Ausleger des Korans, vor allem traditionelle, dieser landläufigen Auffassung zu und interpretieren Homosexualität als Sünde. Eine gründliche Analyse dieser Thematik verdeutlicht aber, warum die Betonung auf interpretieren liegen muss.

Wie schon erwähnt, lassen die häufig nur kurzen Andeutungen, die knappe Ausdrucksweise und nicht zuletzt der recht große Bedeutungs- und Interpretationsspielraum der arabischen Sprache kein kategorisches Verbot innerhalb des Korans von Homosexualität zu.

„Und [wir haben] den Lot [als unseren Boten gesandt]. [Damals] als er zu seinen Leuten sagte: „Wollt ihr denn etwas Abscheuliches begehen, wie es noch keiner von den Menschen in aller Welt vor euch begangen hat? Ihr gebt euch in [eurer] Sinneslust wahrhaftig mit Männern ab, statt mit Frauen. Nein, ihr seid ein Volk, das nicht Maß hält.“ Seine Leute wussten nichts anderes [darauf] zu erwidern, als dass sie sagten: „Vertreibt sie [den Lot und seine Angehörigen] aus eurer Stadt! Das sind Menschen, die sich für rein halten!“ Und wir erretteten ihn und seine Familie [von dem Strafgericht, das über sein Volk hereinbrechen sollte] mit Ausnahme seiner Frau. Sie gehörte zu denen, die zurück blieben. Und wir ließen einen [vernichtenden] Regen auf sie niedergehen. Schau nur, wie das Ende der Sünder war!“

„Erinnert euch auch des Lot. Als dieser zu seinem Volke sagte: „Wollt ihr denn solche Schandtaten begehen, für die ihr bei keinem Geschöpf ein Beispiel findet? Wollt ihr denn in lüsterner Begier, mit Hintansetzung der Weiber, nur zu Männern kommen? Wahrlich, ihr seid zügellose Menschen.“ Sein Volk aber gab keine andere Antwort, als dass es sagte: „Jagt sie [Lot und seine Familie und die, welche es mit ihm halten] aus euerer Stadt, weil sie Menschen sind, welche sich rein erhalten wollen.“ Und wir erretteten ihn und seine Familie, mit Ausnahme seines Weibes, die vertändelte und zurückblieb. Sodann ließen wir einen Stein- und Schwefelregen über sie kommen. Siehe, so war das Ende dieser Frevler.“

Diese zwei Übersetzungen der selben Stellen im Koran (7:80-84 ; Sure 7, Vers 80-84) veranschaulichen, wie unterschiedlich gefärbt ein und der selbe Text sein kann. Es handelt sich bei diesem Ausschnitt um eine der insgesamt sieben zentralen Stellen im Koran welche zur Lot-Geschichte gehören; Sure 7:80–84; 11:77–83; 15:58–77; 26:160–175; 27:54–58; 29:28–32 35; 54:33–39,. Dabei behandeln alle die Geschichte Lots und dessen Volkes in Sodom. In der traditionellen Exegese des Korans wird dies als erstes Auftauchen gleichgeschlechtlicher Sexualität (unter Männern) angesehen. Es gibt die Behauptung in einer Schrift der Berliner Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport, der Koran sei „voll von“ Verdammungen der Homosexualität und „mehr als 35 Verse“ in sieben Koransuren bezögen sich „explizit“ auf Homosexualität.64 Diese Aussage ist natürlich unter Betrachtung der vorangehenden Argumentationen nicht haltbar.

Es bleibt deshalb zu sagen, dass in keiner Koranstelle explizit von Homosexualität, Knabenliebe oder gar Analverkehr gesprochen wird. 

Vielmehr spricht der Koran von lutiyya oder liwat (arab.), was sich ungefähr mit „die Handlung des Volkes Lots“ übersetzen lässt. Ob es sich dabei nun tatsächlich um ‚Homosexualität‘ handelt, bleibt ungewiss. Heutzutage wird der Begriff liwat hauptsächlich (aber nicht nur) für die Sexualität zwischen Männern verwendet und bedeutet für Rechtsgelehrte speziell Analverkehr. Alleine das zeigt bereits, wie vielfältig die Auslegungsmöglichkeiten sind. Auch der Begriff schahwa, welcher oben mit ‚Sinneslust‘ bzw. ‚lüsterne Begier‘ übersetzt wurde, steht in seiner ursprünglichen Bedeutung einfach für ‚Wunsch‘ oder ‚Begehren‘ und muss keineswegs eine sexuelle Konnotation haben. (Der Begriff Schahwa taucht im Koran mehrmals ohne diese Bedeutung auf).

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