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Satan nach den Lehren des Islam | elementares Wissen

Satan nach den Lehren des Islam | elementares Wissen

NEOeso, Religionen

Schaitan, شيطان, ist die formale Entsprechung für Satan im Islam. „Wenn Du im Koran liest, suche Zuflucht in Gott vor dem verstossenen Satan“. Während Schaitan, von der arabischen Wurzel šṭn شطن, sowohl auf Menschen („al-ins“, الإنس) als auch auf Dschinn جني/جن/جان, gebraucht werden kann, ist Iblis (gesprochen /’ib.liːs/) der Eigenname des Schaitans, der im Koranverweis auf das Buch Genesis vorkommt, dessen Herkunft unbekannt ist.

Immer wenn der Koran sich auf die himmlische Kreatur bezieht, die sich weigerte, wie die anderen Engel vor Adam und Eva zu verneigen, als diese geschaffen waren, wird von Iblis gesprochen. Iblis wird im christlichen Bereich als Luzifer bezeichnet und hat verschiedene Ähnlichkeiten und Unterschiede zu den christlichen und jüdischen Vorstellungen bezüglich Satan.

Satan, Adam und Eva

Nach dem Koran erschuf Gott zunächst Engel (ohne freien Willen) und Dschinn (aus rauchlosem Feuer erschaffen) noch bevor er den Menschen schuf. Nachdem Adam erschaffen war, sollten alle Engel und Dschinn sich vor ihm verbeugen. Alle Engel und die meisten Dschinn taten dies. Nur ein Dschinn namens Iblis, der der Herr aller Dschinn war, weigerte sich, vor dem Menschen niederzuknien, denn er war stolz und hielt sich für höherwertig. Daher verbannte Gott Iblis für immer in die Hölle, gab ihm nach seiner Bitte jedoch Bedenkzeit bis zum Jüngsten Gericht. Daraufhin schwor er noch vor Gott, seine Zeit des Aufschubes zu benutzen um alle Menschen vom rechten Wege abzubringen, auf dass sie ebenfalls in der Hölle brennen. Gott antwortete, dass es stets gottesfürchtige Menschen geben werde und dass für diese die Himmelspforten offenstünden. Für diejenigen Menschen jedoch, die Iblis folgen würden, sollte die Hölle offenstehen, in der sie mit Iblis dann leben müssten.

Als Adam und Eva geschaffen waren, lebten sie im Garten Eden. Gott verbot ihnen in die Nähe des verwunschenen Baumes zu gehen. „Al-Schaitan“ (=der Schaitan) überlistete Eva und Adam, so dass sie von den Früchten des Baumes aßen. Gott vertrieb sie daraufhin auf die Erde. Gott tat dies nicht zur Bestrafung, sondern als Umsiedlung. Nach dem Koran schuf Gott die Erde als eigentlichen Lebensraum für die Menschen und der Aufenthalt im Paradiese diente nur dazu, zu erproben, wie lange die ersten Menschen den Himmel bzw. das Paradies ertragen können.

Adam strebte danach, sich bei Gott zu entschuldigen. Dieser lehrte ihn die Worte, durch die er bereuen konnte. Er vergab Adam und Eva und sprach zu ihnen: „Bringt euch fort von hier; dafür, das sei sicher, kommt Hilfe von mir, für jeden, der meiner Leitung folgt, bei diesen sei keine Furcht noch sollen sie trauern.“ Iblis versucht seitdem, so viele ihrer menschlichen Nachkommen wie möglich zu verführen, damit sie ihm folgen und mit ihm sein ewiges Schicksal in der Hölle teilen müssen.

Adam verbrachte weinend noch 40 Tage der Reue. Als er endete, belohnte Gott ihn mit der Kaaba und lehrte ihn das Haddsch.

Shaitan wird aber auch Iblis genannt:

Iblis (arabisch ‏إبليس‎, DMG Iblīs) oder auch Azazil (‏عزازل‎) – Der Lichtbringer, gehört nach islamischer Auffassung zum Reich der Dschinn. Iblis bedeutet Enttäuschter, diesen Namen habe er erst erhalten, nachdem er bei Gott in Ungnade gefallen war. Iblis ist zugleich ein Schaitan (‏الشيطان‎, DMG aš-Šaiṭān, „Teufel“); das Wort leitet sich aus dem Verb schatana und bedeutet so viel wie er war entfernt. Shaitans sind demnach alle Dschinns, die sich vom Guten entfernen. Das heißt, dass nicht jeder Dschinn ein Shaitan ist. Iblis sei der Anführer der Shaitans und gelte als der Gelehrteste unter ihnen. Nach islamischer Auffassung war Iblis, bevor er bei Allah in Ungnade fiel, ein sehr frommer Dschinn; seine Stellung war so hoch, dass er das Privileg bekam, die Paradiestore zu bewachen, was eigentlich die Aufgabe des Engels Ridwan ist. Iblis war auch nie der Lehrer oder Führer der Engel. Iblis wird er fast ausschließlich im Zusammenhang mit der Schöpfungsgeschichte genannt. Auch in den Mekkanischen Suren wird von den Scharen des Iblis (Sure 26:95) gesprochen. Die Schaitan kommen im Koran nur im Plural vor. Die Bezeichnungen Schaitan und Iblis sind im Islam meist beliebig austauschbar.

Geschichte Iblis’ im Koran

Iblis bewachte die Tore des Paradieses eintausend Jahre lang. Auf einer Inschrift am Tor las er: „Es gibt unter den meist geehrten Dienern Allahs einen, der lange Zeit gehorsam ist und sich (sodann) seinem Herrn widersetzt und sein Herr sich von ihm abwendet und ihn verflucht.“ Iblis, der zu der Zeit noch Azazil hieß, wunderte sich über diese Weissagung, denn er fragte sich, wer sich anmaßen könnte, sich seinem Herrn zu widersetzen. Was er nicht wusste, ist, dass er selbst es ist, der in dieser Weissagung gemeint ist. Er ging zu Gott und bat darum, diesen Frevler verfluchen zu dürfen, der in der Weissagung vorkommt. „Oh Herr, gestatte mir diesen unwürdigen Sünder zu verfluchen, wer immer er auch sein möge.“ Allah gestattete es ihm, und so fing er an, diesen Sünder mit Flüchen zu überhäufen, unkundig darüber, dass er selbst es ist, den er verflucht.

Als Allah Adam erschuf und ihn die Namen aller Dinge lehrte, befahl Adam, dass sich die Engel vor ihm niederwerfen, aus dem Grund, weil er, durch das, was ihn Allah gelehrt hat, wissender war als die Engel. Alle warfen sich auf den Befehl Allahs hin nieder, außer Iblis.

Und als wir zu den Engeln sprachen: „Werft euch vor Adam nieder“, da warfen sie sich nieder bis auf Iblis; er weigerte sich und war hochmütig. Und damit wurde er einer der Ungläubigen. (Sure 2:34)

Die Engel können sich nach islamischer Auffassung nicht frei über den Befehl Allahs hinwegsetzen, denn sie haben keinen freien Willen, wie Iblis. Das ist für die meisten Muslime auch ein Beleg dafür, dass Iblis kein Engel sein kann.

„Und da sprachen wir zu den Engeln: „Werft euch vor Adam nieder“ und sie warfen sich nieder, außer Iblis. Er war einer der Dschinn , so war er ungehorsam gegen den Befehl seines Herrn. Wollt ihr nun ihn und seine Nachkommenschaft statt Meiner zu Beschützern nehmen, wo sie doch eure Feinde sind? Schlimm ist dieser Tausch für die Frevler.“ (Sure 18:50)

Als Iblis sich weigerte, vor Adam auf die Knie zu gehen, sprach Allah:

„Iblis, was hat dich gehindert, dass du dich niederwirfst vor dem, was Ich mit meinen Händen geschaffen habe? Wähnst du dich groß, oder bist du einer von den Überheblichen?“ Iblis erwiderte: „Ich bin besser als er. Du erschufst mich aus Feuer, und ihn (den Menschen) hast Du aus Ton erschaffen.“ (Sure 38:73). Und Allah verfluchte und verbannte ihn wegen seines Hochmuts.

„O geh hinaus von hier; denn du bist ein Verfluchter, und mein Fluch soll auf dir bis zum Tage des Gerichts lasten.“ (Sure 38:74)

Iblis bat um eine Frist, die ihm laut Koran auch gewährt wurde:

„O mein Herr, gewähre mir eine Frist bis zu dem Tage, an dem sie auferweckt werden. Allah sprach: Also wird dir die Frist gewährt, bis zum Tage einer vorbestimmten Zeit.“ (Sure 38:80)

Er (Iblis) sagte: „Bei Deiner Erhabenheit, ich will sie sicher alle in die Irre führen. Ausgenommen davon sind Deine erwählten Diener unter ihnen.“ (Sure 38: 82)

Versuche der Rehabilitierung Satans (Iblis’) im Sufismus

A. Schimmel schreibt in „Mystische Dimensionen des Islam: „In gewissen mystischen Kreisen versuchte man eine Art Rehabilitierung des Satan. Offenbar wurde dieser Gedanke zuerst von Hallaj formuliert: Satan rühmte sich Gott Tausende von Jahren gedient zu haben, ehe noch Adam geschaffen war, und sein Stolz, aus Feuer geschaffen zu sein, läßt ihn den Befehl, sich vor dem staubgeschaffenen Adam niederzuwerfen, zuwiderhandeln. Hallaj erkannte nur zwei echte Monotheisten an, nämlich Muhammad und Satan; aber während Muhammad der Kämmerer der göttlichen Gnade ist, wird Iblis zum Schatzmeister des göttlichen Zornes.“ (S. 276 f.)

Tatsächlich zeigt sich hier ein nicht allzu oft formuliertes Problem: Wenn das Gebot, ausschließlich Gott anzubeten strengste Gültigkeit haben soll, wie kann dann die Niederwerfung des Iblis vor dem Menschen gefordert werden? Verlangt Gott hier nicht etwas Unmögliches? Anders ausgedrückt: Führt die uneingeschränkte, ja übersteigerte Liebe des Iblis zu Gott letztlich zu dessen Verfehlung und Bestrafung?

Nach Hallaj ruft Iblis (Satan) aus: „Mein Aufruhr heißt: Dich heilig zu erklären!“ also sich vor keinem anderen als Gott niederzuwerfen. In diesem Sinne formulierte auch Sarmad (hingerichtet 1661) : „Geh, lerne die Methode des echten Dienstes von Satan, erwähle eine Gebetsrichtung und wirf dich vor nichts sonst nieder!“ (AP 238)

Der Mensch ist in einem ähnlichen Dilemma wie Satan: im Glauben richtig und gut (d.i. gemäß Gottes Anweisung) zu handeln, begeht er die schlimmsten Frevel und gleich dem Iblis (der als Djinn im Gegensatz zu den Engeln aber gleich dem Menschen einen freien Willen besitzt!) muss er seine Taten selbst verantworten.

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